Restaurant Felsenblick – Rohdiamant

Eingang zum Restaurant Felsenblick

Ihr kennt es bestimmt auch: Wenn einmal eine Minute nichts los ist, greifen die Hände wie von selbst in die Hosentasche und starten auf dem Smartphone eine Stöbertour durch diverse Social-Media-Plattformen. Vor einigen Wochen ist mir bei einer solchen Gelegenheit das Restaurant Felsenblick aus Hergiswil oder genauer gesagt dessen Cordon-bleu-Angebot ins Auge gestochen. Diesem Lockruf konnte (und ehrlich gesagt auch wollte) ich nicht widerstehen und somit trat ich mit einer Begleitung den Weg zur letzten Cordon-bleu-Rezension des Jahres an.

Das letzte Stück der Strasse auf dem Weg zum Restaurant sollte uns eigentlich mit einer hübschen Aussicht auf den Vierwaldstättersee und dessen prächtiger Umgebung verwöhnen. Jetzt zu Beginn des Dezembers empfängt uns zur abendlichen Stunde bloss die dunkle Schwärze der Nacht, durch welche sich kleine Lichtkegel vom anderen Seeufer durchkämpfen. Ein frostiger Wind lässt die Glieder frieren, während wir schlotternd den Eingang zum Lokal suchen und schlussendlich über das Foyer des Hotel Brünig zu unserem Ziel gelangen.

Es ist ein ansprechendes Bild, welches sich uns beim Eintreten präsentiert: Von der prächtigen, mit winterlichem Gesteck gekrönten Bar über die hölzernen Stühle und Tische bis hin zu der für lauschige Lichtverhältnisse sorgenden verästelten Lampeninstallation an der Decke schaffen die Einrichtung sowie das Ambiente den kunstvollen Spagat zwischen warmer Tradition und kühler Moderne. Als ich dann noch einen Gast erblicke, der mit genussvoller Miene einen gehörigen Käsefaden um seine Gabel wickelt, fühle ich mich schon ganz zuhause. Der Durchgang der Speisekarte ist von einem gewissen Tunnelblick geprägt, durch den die restlichen gutbürgerlich-währschaften Gerichte ausgeblendet und erst bei der Cordon-bleu-Seite wieder Halt gemacht wird. Wer gerne an den Eckpunkten seines Cordon bleus herumtüftelt, kommt hier auf seine Kosten: Sowohl beim Fleisch (Schwein oder Kalb), der Portionengrösse (vier Stufen, von 250g bis 1kg), den Sorten mit ihren Füllungen sowie der Auswahl an Beilagen sind vor dem Schmaus erst einmal schwierige Entscheidungen gefragt. Bauch und Kopf wälzen die Optionen durch, rasch kristallisiert sich für mich heraus, dass es ein Cordon bleu vom Schwein à 500 Gramm mit hausgemachten Spätzli werden wird. Für die Wahl der Variation braucht es jedoch wie immer etwas mehr Zeit. «Säntis» mit Mostbröckli und Käse vom namensgebenden Berg spricht meine urchige Seite an, dagegen appelliert «Felsenblick» mit Speck, Ei, Pascals Spezialsauce und Cheddar an die Neugier. Letztere behält dann knapp die Oberhand, entsprechend ungeduldig und gespannt harre ich dem Eintreffen des Tellers entgegen. Auch meine Begleitung (dem rustikalen «Bauern» mit Speck, Champignon, Zwiebeln und Säntis-Bergkäse verfallen) wird von Heisshunger geplagt. Getreu dem Motto «Gut Ding will Weile haben» kündet das Geräusch der klatschenden Fleischhämmer aus der Küche eine moderate Wartezeit an, aber für frisch zubereitete Cordon bleus nimmt man das ja gerne in Kauf.

Als die Speisen bei uns eintreffen und wir den verheissungsvollen Anblick mit den Augen verschlingen herrscht kurz Stille, dann überwältigen die köstlichen Düfte unsere Sinne und es geht mit gezücktem Besteck ans Eingemachte. Die leicht schimmernden Spätzli machen den Auftakt und überzeugen dank leckerer Würze und dunkelbraunen Knusperstellen auf ganzer Linie. Entgegen meines Vorsatzes, nur eine Gabel zu probieren, bleibe ich daran kleben und höre erst auf als die Hälfte der traumhaften Eiernudeln verschwunden ist. Angemessen aufgewärmt wendet sich meine Aufmerksamkeit nun dem Cordon bleu zu, welches wie ein grosses Ei da liegt und auf den Stich der Gabel wartet. Unter der harmlos aussehenden aber dank saftigem Schweinefleisch und hauchdünner Panade grandios mundenden Kruste wartet eine Überraschung auf meinen Gaumen: Fruchtige Süsse entspringt dem ersten Bissen, dazu gesellt sich eine kecke, aber dezente Currynote. Irgendwie erinnert mich die Mischung an ein anderes Gericht, mir will aber partout nicht einfallen welches. Während ich meine Gedanken ordne und grüble, lädt die Gabel meiner Begleitung ein Stück seines Cordon bleus auf meinem Teller ab. Einer solchen Einladung kann man natürlich nicht widerstehen, pflichtbewusst lasse ich den Bissen zwischen meinen Kiefern verschwinden. Der Eindruck ist wie erwartet rustikal, die rauchigen Noten der Speckstreifen dominieren stark und verwandeln Zwiebeln sowie Bergkäse damit zur Nebensache.

Plötzlich fällt mir wieder ein, an was mich die Spezialsauce meines Cordon bleus erinnert: Das gute alte Riz Casimir, Hauptbegleitung aller Klassenlager und sonstigen Grossevents aus der Kindheit. Zufrieden über den Einfall arbeite ich mich etwas weiter bei meiner Portion vor und werde stetig mit mehr quirligen Elementen beglückt: Für meinen Geschmack etwas grosse Stücke von gekochtem Ei, die zwar nicht grossartig schmecken aber durchaus für Abwechslung sorgen. Oder der farbige Cheddar, welcher optisch gefällt jedoch nicht die erhoffte Würze einbringt. Zwischendurch taucht auch der vom «Bauern» bereits bekannte Speck auf und verströmt sein kräftiges Aroma. Als unerwarteter Ehrengast erweisen sich kleine Fruchtstückchen, die mein Gaumen als Apfel identifiziert. Alles in allem also ein buntes Mosaik aus ganz verschiedenen Geschmacksteilen, bei dem jede Gabel ein wenig anders schmeckt.

Die Portion fordert ihren Tribut, die Lust auf ein Dessert aber auch. Dementsprechend reicht es genau noch für ein Caramelköpfli, welches adrett auf einem kleinen grünen Tellerchen serviert wird. Ich bin zufrieden mit diesem rahmig-süssen Schlusspunkt, das Tobleronemousse meiner Begleitung wird allerdings wegen seltsamen Nachgeschmacks in die Küche retourniert. Zuvorkommend und freundlich wird ein paar Minuten später kostenloser Ersatz nachgeliefert, ein Service, der uns beide dann wohlgemut den Heimweg antreten lässt.

Es gab selten ein Cordon bleu, welches mich auf einen derartigen Husarenritt des Geschmacks mitgerissen hat. Jeder Bissen schwankte derart zwischen süss, sanft und herzhaft, dass einem beinahe schwindlig wurde. Der sehr gute Auftritt von Panade und Fleisch beweist aber zweifellos, dass die Küche des Restaurant Felsenblick ihr Handwerk in Sachen Cordon bleus versteht. Somit erhält das Lokal auch von meiner Seite aus eine Empfehlung, beim nächsten Besuch wird aber ein weniger ausgefallenes Cordon bleu auf den Bestellzettel wandern. Tipp für Heisshungrige: Wer die 1kg-Portion bestellt und ganz verspeist, wird auf einer hauseigenen Bestenliste verewigt.

Bewertung

Schweins Cordon bleu «Felsenblick»
7/10, «Sehr gut»

Detailbewertung

Hinweise zum Bewertungsschema: Bewertungsschema – Cordonblog

Infos zum Restaurant

https://restaurant-felsenblick.ch

Ich bleibe weiterhin auf der Suche nach einem Cordon bleu mit würzigem Cheddar – habt ihr vielleicht einen Tipp für mich? Schreibt es in die Kommentare oder meldet euch per E-Mail bei info@cordonblog.ch. Ihr möchtet keine neuen Beiträge verpassen? Cordonblog ist auch auf Facebook und Instagram, folgt mir und erhaltet Benachrichtigungen für neue Beiträge, zusätzliche Bilder und gelegentlich einen Blick hinter die Kulissen. Falls dieser Beitrag Appetit auf mehr geweckt hat, findet ihr in der Übersicht noch viele weitere meiner Rezensionen von Cordon bleus aus der ganzen Schweiz.

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